Würzburg. Erstmals in Bayern werden die Schnittstellen zwischen Musik, Medizin und Forschung systematisch ausgebaut und nachhaltig verknüpft. Möglich wird dies durch die Kooperation „MusiCare“. Die entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen der Hochschule für Musik Würzburg (HfM), dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde heute (13. Mai) gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume an der Hochschule für Musik unterzeichnet.
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht sowohl die gesundheitliche Förderung von Musikerinnen und Musikern als auch die Erforschung der Wirkung von Musik auf den Menschen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Ein langfristiges Ziel von „MusiCare“ ist zudem der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Musikergesundheit in Würzburg.
Wissenschaftsminister Markus Blume betont: „Mit ‚MusiCare‘ schaffen wir in Würzburg ein bayernweit einmaliges Leuchtturmprojekt an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Medizin. Das passt perfekt zu Bayern: Hier verbinden sich musikalische Leidenschaft und medizinische Spitzenforschung zu etwas Neuem – einem Ort, an dem Gesundheit, Kreativität und Innovation zusammenspielen. Fakt ist: Wer täglich auf höchstem Niveau musiziert, verlangt auch dem eigenen Körper und Geist Höchstleistungen ab. Es lohnt sich also, Musik und Medizin, Spitzenleistung und Gesundheit zusammenzudenken. Denn Musik ist weit mehr als Unterhaltung: Sie ist Trostspender, Kraftquelle und manchmal sogar Medizin für die Seele.“
Die drei Einrichtungen wollen mit „MusiCare“ die Position Würzburgs als einen führenden Standort für Forschung und Lehre im Bereich Musik und Gesundheit in Bayern stärken und perspektivisch die klinische Versorgungssituation für Musikschaffende verbessern. Bislang existiert ein derartiges Zentrum im Freistaat nicht.
„Mit MusiCare schaffen wir eine einzigartige gemeinsame Plattform, um Fragestellungen der Musikergesundheit interdisziplinär zu bearbeiten. Durch die Verbindung künstlerischer Ausbildung mit universitärer Expertise entstehen innovative Ansätze in Prävention, Therapie und Forschung“, so Prof. Dr. Christoph Wünsch, Präsident der Hochschule für Musik Würzburg.
Haltungsschäden, Stimmprobleme, Erfolgsdruck
„Ein Schwerpunkt sind dabei die physiologischen und psychologischen Fragestellungen und Bedürfnisse von professionellen bzw. angehenden Musikerinnen und Musikern. Dabei stehen vor allem Themen wie Haltungsschäden, Lampenfieber und der Umgang mit Erfolgsdruck bei Musikschaffenden im Fokus“, erklärt Prof. Dr. Regina Götz, Leiterin des Bereichs „Musik & Gesundheit“ an der Hochschule für Musik. Ein wichtiges Kernziel sei es daher, hierfür ein stärkeres Bewusstsein in der Medizin als auch in der Musikpädagogik zu schaffen.
„Die Kooperation zeigt einmal mehr ganz konkret die enorme interdisziplinäre Stärke und Strahlkraft des Standortes Würzburg für Forschung und Lehre, hier konkret im Bereich Medizin und Musik in Bayern. Die enge Zusammenarbeit zwischen Universitätsklinikum, Universität und Hochschule für Musik eröffnet neue Dimensionen im Verständnis des Zusammenspiels von Gesundheit und Musik“, betont Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Würzburg.
„MusiCare zeigt beispielhaft, wie moderne Spitzenforschung entsteht: Sie beginnt im Fach und gewinnt ihre besondere Stärke durch die Zusammenarbeit über Fakultäts- und Institutionsgrenzen hinweg. Gerade in dieser Verbindung von Musik, Medizin, Psychologie und Technologie liegt ein enormes Potenzial für innovative Forschung und für die weitere Profilbildung Würzburgs als Wissenschaftsstandort,“ betont Prof. Dr. Paul Pauli, Präsident der Julius-Maximilians-Universität Würzburg aus Anlass der neuen Koopertationsvereinabarung.
Innovative Präventionsprogramme
„Durch die Kombination von medizinischer Expertise und musikalischer Ausbildung wird die Grundlage für innovative Präventionsprogramme und wissenschaftliche Forschung gelegt. Durch die frühe Integration präventiver Aspekte in das künstlerische Studium, kann auf der einen Seite den Musik-Studierenden bereits in der Ausbildung ein gesunder Umgang mit den körperlichen und psychischen Anforderungen ihres Berufs vermittelt werden. Auf der anderen Seite können wir angehende Medizinerinnen und Mediziner für die Musikergesundheit sensibilisieren,“ betont Dr. habil. Fabian Kraus, Leiter des interdisziplinären Zentrums für Stimme und Schlucken an der HNO-Klinik des UKW. Er hat gemeinsam mit Prof. Dr. Regina Götz maßgeblich das Konzept für „MusiCare“ entwickelt.
Wie fördert Musik die Gesundheit?
Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperation ist der strukturierte Ausbau von Forschungsaktivitäten, mit denen die Auswirkungen von Musik auf das allgemeine Wohlbefinden und die psychische Gesundheit strukturiert erforscht werden, auch speziell mit Blick auf die Entwicklung in Kindheit und Adoleszenz. Musik wird zunehmend als bedeutendes Instrument der Gesundheitsförderung und der psychischen Heilung erkannt, was die Bedeutung einer wechselseitigen Interaktion von Musik und Gesundheit unterstreicht.
Bereits in der Vergangenheit haben die HfM und das UKW erfolgreich im Bereich „Musik und Gesundheit“ kooperiert, etwa durch gemeinsame Vorlesungen und Veranstaltungen. Diese bestehenden Synergien werden durch „MusiCare“ nun institutionell gebündelt und erweitert. Durch „MusiCare“ wollen die Einrichtungen auch die Position von Kunst und Musik als kulturelles und therapeutisches Gut stärken.
Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der HfM Würzburg, des UKW Würzburg und der JMU Würzburg