Zum dritten Mal verwandelt sich der wunderschöne Veranstaltungssaal der Sparkasse in Würzburg in eine Bühne für erstklassigen Jazz. Im Rahmen der Konzertreihe „Music Meets Sparkasse“ freuen wir uns, die begeisternde Musikerin Rebecca Trescher als Special Guest gewonnen zu haben.
Biografie – REBECCA TRESCHER
Der Kompositionsprozess ist für Rebecca Trescher ein ständiges Abwägen, ein Dauer-Dialog zwischen Verstand und Gefühl. Doch ihre emotionale Seite siegt immer wieder über das, was ihr die Logik an Prinzipien, Regeln und gängiger Formensprache in den Weg stellen will. Vielleicht klingt ihre Musik deshalb auch so wie sie klingt: unkonventionell, aber immer schlüssig – inniglich gefühlt eben. Kein Wunder, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung einst fragte: „Darf man einfach mal behaupten, dass noch niemand so für den Jazz komponiert hat wie Rebecca Trescher?“
Man darf. Die Einflüsse der Musikerin – Bob Brookmeyer, Björk, Miles Davis, Gil Evans, Radiohead, Wayne Shorter, Maurice Ravel, Igor Strawinsky, Questlove - durchlaufen diesen ganz speziellen Rebecca Trescher-Filter und vermischen sich mit außermusikalischen Impressionen, die die zwischen Nürnberg und Berlin pendelnde Klarinettistin und Komponistin bei Studienreisen, durch Naturbeobachtungen und selbst aus Alltagssituationen gewinnt. Rebecca Treschers Musik ist ein Kaleidoskop, in dem die Linien, Farben, Formen, Texturen, Stilistiken, Perspektiven, Strukturen sich fließend verändern. Nie lässt sich wirklich ahnen, was die nächsten Takte bringen.
Mit ihrem Quartett und ihrem Tentett versteht sich Rebecca Trescher darauf, die Balance zwischen Klangfülle und Transparenz, zwischen Geerdetem und Ätherischem, zwischen Tradition und Moderne zu wahren. Was sie für ihre zwei Stammformationen schreibt, löst beim Zuhören stets das ganz große Kopfkino aus.
Bei den anspruchsvollen Aktivitäten für ihr Tentett und ihr Quartett belässt es Rebecca Trescher nicht. So schreibt sie etwa Auftragskompositionen - darunter ist die Konzertmusik zum Stummfilm-Epos „Oktober“. Seit 2017 kuratiert sie in der Nürnberger Tafelhalle als „artist-in-residence“ eine interdisziplinäre Reihe, zu der sie Gäste aus den Bereichen Tanz, Literatur, Videoperformance und Musik einlädt. Darüber hinaus engagiert sich Rebecca in verschiedenen Jurys und Gremien für den Jazznachwuchs – denn der liegt ihr besonders am Herzen. Mit viel Enthusiasmus gab und gibt Rebecca Trescher deshalb ihr Wissen und ihre Erfahrung auch als Dozentin an der Hochschule für Musik Nürnberg und am Jazz Institut Berlin weiter.
Ihr Streben nach mehr Autonomie führte jetzt zur Gründung von „Treasure Records“. Das Label erlaubt der Komponistin ihre musikalischen Visionen noch besser verwirklichen zu können, soll aber auch ein Netzwerk spinnen und als Forum für seelenverwandte Musikerinnen und Musiker dienen.
Ihr bisheriges Schaffen hat Rebecca Trescher zahlreiche Förderungen und Auszeichnungen eingetragen – darunter den Bayerischen Kunstförderpreis (2017). 2019 wurde sie zum Arist-in-residence an der Cité Internationale in Paris berufen. 2022 ließ die internationale Kritiker-Gemeinde des amerikanischen Magazins „Down Beat“ sie aufs Siegertreppchen in der Kategorie „Rising Star Clarinet“ steigen. Im selben Jahr erhielt sie den Deutschen Jazzpreis für ihren vierteiligen „Paris Zyklus/ The Spirit of the Streets“, der vom Schlendern durch die französische Hauptstadt inspiriert wurde – die Jury zeichnete damit eine Musikerin aus, die mit offenen Kanälen, geschärftem Sinn, Neugier und Empathie gewohnte und ungewohnte Umgebungen wahrnimmt und ihre Eindrücke trefflich in Musik zu übersetzen weiß.
